Fragen von Multiplikatoren
Das Konzept setzt stark auf Eigeninitiative und Eigenarbeit. Das funktioniert – auch in der Umsetzung?
Die Bereitschaft zur Eigeninitiative und Eigenarbeit ist sozusagen die Vertragsgrundlage der „Ideen-Stifter“. Alle Beteiligten wissen: Wir sind nicht nur für die Produktion von Ideen hier, wir sind auch hier, um Ideen wirklich werden zu lassen. Menschen aus verschiedenen Sphären der Gesellschaft entwickeln gemeinsam neue Ideen für das Gemeinwesen und bringen diese Ideen in die Wirklichkeit. Das Gemeinwesen mitgestalten heißt vor allem: Mittun!
Bürgerinnen und Bürger haben nicht unbegrenzt Zeit – wie stark und wie lange binden sie sich?
Zunächst einmal an zwei Tagen für jeweils zwei Stunden mit einer Teilnahme an den „Innovationsmarktplätzen“. Zwischen Marktplatz I und II soll eine Idee dann mit möglichst vielen Menschen im eigenen Umfeld kritisch beleuchtet werden. Für die Umsetzung verpflichtet man sich für 12 Monate – mit einem Zeitbudget, das jeder für sich selbst festlegt.
In vielen Vereinen und Gremien werden ehrenamtlich Ideen gestiftet – was ist das Neue am Konzept „Ideen-Stifter“?
Neu ist: Eine Vereinsgründung mit all der notwendigen Bürokratie ist zunächst überhaupt nicht nötig. Neu ist: Ideen-Stifter- Gruppen sind offen für die Mitarbeit von Menschen aus möglichst unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus. Neu ist: Es gibt keinen Chef oder Vorstand oder „Bestimmer“: Ideenstifter handeln auf Augenhöhe und übernehmen gemeinsam Verantwortung. Neu ist vor allem: Es bleibt nicht bei beschriebenen Flipchart- Wänden und klugen Ideen-Protokollen: Ideenstifter sind Konstruktionsteams für ein neues Gemeinwesen.
Kann wirklich jeder mitmachen – auch ohne große Eigenmittel?
Kluge innovative Ideen für das eigene Gemeinwesen haben viele Menschen und diese Ideen haben mit Geld zunächst gar nichts zu tun. Wichtig ist die Bereitschaft mit anderen und in einem gemischten Team über die Ideen zu sprechen und ggf. eigene Ideen zugunsten anderer zurückzustellen. Ideenstifter brauchen so eher wenig Geld – dafür Ideen und selbst bestimmte Zeit, diese Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn finanzielle Unterstützung gebraucht wird, kann dies eine gute Aufgabe für lokal tätige Stiftungen und Stifter/ -innen sein.
Was ist, wenn es die neu entwickelte Idee doch schon gibt – es aber keiner der Ideenstifter weiß?
Zu jedem Ideen-Stifter-Prozess gehört auch eine Phase zu Beginn, in der die Bürgerteams recherchieren, ob ihre Ideen nicht schon längst nebenan umgesetzt werden. Das ist nicht selten der Fall und kann zunächst eine durchaus frustrierende Erfahrung sein. Ideenstifter haben Lust auf kreative Prozesse und denken weiter: Ist es wirklich dieselbe Idee? Was unterscheidet uns? Wie geht es weiter?
Das Konzept der Ideen- Stifter will auch soziale Gründungen fördern. Bei allen Gründungen sind aber die Anfangsjahre die schwierigsten. Wie kann man soziale Gründungen stabilisieren?
Das Konzept der Ideen-Stifter will zunächst Mut machen, die soziale Wirklichkeit im eigenen Gemeinwesen nicht als unveränderliche Fügung hinzunehmen. Es will die Kreativität der Menschen in Städten und Gemeinden unterstützen. Bei den Ideenstiftern in Duisburg hat die Bürgerstiftung als lokaler Akteur mit dem Paritätischen zusammengearbeitet, damit Gründer/-innen Zugang zu den Kompetenzen und der Beratung durch eine erfahrene Organisation im sozialen Bereich erhalten. Ideenstifter brauchen solche örtlichen Bündnisse als Boden, auf dem ihre Ideen wachsen und gedeihen können.


