Hintergrund
Prinzipien
Damit der Ideenstifterprozess erfolgreich gelingen kann, sind besonders diese drei Prinzipien wichtig:
- Persönliche Identifikation bzw. Betroffenheit mit dem Thema und der Region bei den Teilnehmer/-innen – das schafft Beteiligungsmotivation und Umsetzungsenergie.
- Multisektoralität – sie bringt Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen zusammen, wobei die Teilnehmer/- innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und kommunaler Politik/Verwaltung als Privatpersonen und nicht als Delegierte ihrer Organisation mitwirken.
- Frühes Experimentieren – nutzt über regelmäßiges und frühes Testen (Scheitern eingeschlossen) mit ersten Denkansätzen gezielt das Alltagswissen im Umfeld der „Ideen-Stifter“. Praxiserfahrungen und das Feedback von Außenstehenden können so schon in der Entwicklung und Umsetzung der Ideen einbezogen werden, was die Erfolgsaussichten für die Umsetzung der Ideen erhöht (siehe Grafik MiD-Prozessverlauf ).
Ideen-Stifter – die Methode
Methodisch liegt dem Ideen-Stifter-Konzept der METALOG-Ansatz zugrunde – entwickelt vom „Orglab“ (Labor für Organisationsentwicklung an der Uni Duisburg-Essen) im Rahmen des BMBFForschungsverbunds„ Strategische Allianzen”. Der METALOG dient als Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und öffentlichen Einrichtungen, um gemeinsam regionale Herausforderungen anzugehen und soziale Innovationen umzusetzen. Der METALOG kann so weiterentwickelt werden, dass er zur Region und zu den Organisationen passt, die den METALOG durchführen – eben wie im Fall der Ideen-Stifter in Duisburg. Das „OrgLab“ initiiert experimentelles Handeln (Rapid Prototyping) und innovative Ansätze in Lehre, Forschung und Praxis und engagiert sich vor allem in den Bereichen Corporate Social Responsibility, Service Learning, soziale Innovationen und Organisationskultur. | www.orglab.de
Konzeptbausteine
A. Marktplätze zur Ideenentwicklung
Ideen-Stifter bringt Bürger mit unterschiedlichem Hintergrund (Wirtschaft/Zivilgesellschaft/Politik/Verwaltung) zusammen, die soziale Probleme und Potentiale in ihrem Stadtteil/Quartier sehen und lösen wollen. Kern eines ersten Marktplatzes ist die „Auseinandersetzung mit der Region aus ganz unterschiedlichen Perspektiven“: zum Beispiel die aktuelle Situation, bekannte Problemstellungen, Veränderungsbedarfe, vorhandene Lösungsansätze, in der Gruppe vorhandene Vernetzungen. Am Ende dieses Treffens werden konkrete Innovationsideen benannt und die Teilnehmer/-innen aufgefordert, die spannendste für sich auszuwählen sowie in ihrem persönlichen Umfeld (Familie, Arbeitszusammenhang, Bekanntenkreis) Machbarkeit, Innovationspotenzial, Zustimmung oder Ergänzung zu erfragen. Mit diesen Erfahrungsberichten startet direkt im Anschluss der zweite Innovationsmarktplatz: Ursprungsideen werden hier ergänzt, verdichtet und diejenigen mit dem größten Potenzial ausgewählt. Rund um die besten Ideen bilden sich Teams, die in einem moderierten Prozess und entlang eines Leitfadens ihre Innovationsidee soweit konkretisieren, dass erste Handlungsschritte und Vereinbarungen (nächste Schritte/Aktionsplan) getroffen werden können.
B. Prozessbegleitung zur Ideenumsetzung
Schon auf dem Ideenmarktplatz wird die Bildung von Interessengruppen forciert. Die Teams erhalten besondere Unterstützung, vor allem aber Raum und Gelegenheit zu informellen Treffen. Sie werden in regelmäßigen Abständen zum Fortschritt befragt und kommen nach ca. sechs Monaten mit den anderen Ideen-Stifter-Teams zusammen um Erfolgsfaktoren und Hemmnisse auszutauschen und gegenseitige Unterstützung zu erhalten. Konkrete Instrumente zur Unterstützung der Teams sind beispielsweise:
- Mentoring: Die Teams werden von einem/r ehrenamtlichen, erfahrenen Mentor/-in begleitet, der/die diese bei der Umsetzung der Idee unterstützt, die Treffen moderiert und den Kontakt zur Bürgerstiftung hält
- Raum und Gelegenheit zu regelmäßigen Treffen, ggf. auch deren Koordination
- die Vermittlung von Kontakten zu möglichen Promotoren und weiteren Mitstreitern oder Presse
- eigener Webspace zur Selbstpräsentation (z. B. innerhalb des Bürgerstiftungs-Webauftritts)
- ggf. ein kleines Startbudget zur Umsetzung von ersten Maßnahmen wie einem Flyer
- Organisationsform bei Neugründungen unter dem Dach der Bürgerstiftung
C. Finale
Das Abschlusstreffen nach 12 Monaten zeigt das Erreichte, markiert das Ende des Prozesses und kann Grundlage für neue Ideenstiftung sein.
MiD-Prozessverlauf
A. Marktplätze
Innovationsmarktplatz I (120 Minuten)
- im Anschluss: erste Kommunikation der Idee im persönlichen Umfeld
Innovationsmarktplatz II (120 Minuten)
- im Anschluss: Start des Frühen Experimentierens, erster Prototyp
B. Prozessbegleitung
Praxisphase
- Arbeitsform: Treffen der Innovations-Teams
- Start des frühen Experimentierens
- Prozessbegleitung auf Ressourcen-, Personen-, organisatorischer Ebene
Halbzeittreffen
- Präsentation der Ergebnisse
- gegenseitiger Austausch und Lernen durch Erfahrung der anderen
C. Finale
Schlussworkshop nach 12 Monaten
- Präsentation der Ergebnisse
- offizieller Abschluss des begleiteten Prozesses
Ideen-Stifter-Ratschläge
Moderation und Mentoring, wo Selbststeuerung allein nicht geht: Ehrenamtliche Paten oder Mentoren (z. B. ehemalige Ideenstifter) unterstützen die Gruppe zusätzlich.
Persönliche Verbindungen fördern Teamentwicklung und Identifikation. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Idee ist das „Wir-Gefühl“ zwischen den Teilnehmern grundlegend. In dem engen Spielraum zwischen Fördern und (Über-)fordern der Innovationsteams bietet regelmäßige Abstimmung über Fortschritte und Schwierigkeiten zwischen dem Unterstützer (Initiator) und einem festen Ansprechpartner pro Innovationsteam wirkungsvolle Hilfestellung.
Sinnvoll sind die Nutzung von Räumen und Ressourcen einer anerkannten und unabhängigen Organisation vor Ort. Jedoch: Die oft nur vorübergehende Beteiligung bekannter lokaler Persönlichkeiten oder ein „zu hoch aufgehängtes“ Ideen-Stifter- Verfahren kann die Motivation der übrigen Teilnehmer/-innen beeinträchtigen.
Vor- und Nachteile einer gezielten Teilnehmergewinnung beachten. Gezieltes Einladen (persönlich, keine Massensendungen) verringert raschen Ausstieg aus dem Prozess, vermittelt den Teilnehmer/-innen Wertschätzung und bietet oft eine bessere Vernetzung in die lokale Bürgerschaft, die als Anker hilfreich sein kann. Der Nachteil: Die Ideenstifter-Runde wird begrenzt, die gewünschte Teilnehmerzahl wird unter Umständen nicht erreicht, Konflikte mit bestehenden Initiativen und/oder bereits engagierten Personen sind denkbar. Das Risiko: dass immer die gleichen engagierten Personen erreicht werden.




